Die Slaven in Griechenland
Max Vasmer
Kap. III. Verzeichnis der slavischen geographischen Namen nach Landschaften geordnet:
5. Thessalien
a) Gebiet von Trikkala
und Karditsa
b) Gebiet von Larissa
c) Phthiotis
d) Magnesia
Aus den Acta S. Demetrii (Migne Patr. Graeca 116 Sp. 1325) kennen wir den Namen eines Slavenstammes, der in Thessalien gesessen hat. Es waren die Βελεγεζῖται, deren Gebiet im 12. bis 13. Jahrhundert Βελεγεζιτία hieß. Vgl. Niederle, Manuel I, 110. Der Name ist abgeleitet von einem PN *Βελεγέζας, dessen Bildung auffällig mit dem Namen des Anten Ταξίαρχος Δαβραγέζας bei Agathias III 21 (S. 186, II ed. Bonn.) übereinstimmt, der von den Etymologen leichtfertig auf *Dobrogostь oder gar auf ein nichtexistierendes *Dobrojězbъ zurückgeführt worden ist. Mit Βελεγεζιτία möchte ich auch den Landschaftsnamen Βελζητία (z. B. bei Theophanes Chron. ed. de Boor S. 473, 33, andere Belege bei Niederle Sl. St. Il 428 ff.) gleichsetzen, woraus mit griechischem Wandel von λ + Kons, in ρ + Kons. Form Βερζητία (ebenfalls Theophanes Chron. 447, 13) erklärt werden kann. Die Gleichsetzung beider Namen zieht schon de Boor a. a. O. in Erwägung, der aber das griechische Lautgesetz nicht erwähnt. Eine Gleichsetzung des Namens mit bulg. Bъŕsaci halte ich lautlich nicht für möglich,
86
trotz Niederle a. a. O. Zum Schwunde des zweiten Vokals in *Βελε(γε)ζιτία ≥ Βελζιτία vgl. den Vokalschwund in Βελβενδός aus lat. Beneventum. Auf jeden Fall ist auch Perwolfs Herleitung der Βελεγεζῖται aus einem slav. *Velegostići lautlich nicht zu halten (Archiv VII 594).
a) Gebiet von Trikkala und Karditsa
1. Ἀραχοβίτσα ON, Kr. Argithea, Karditsa (Lex., Stat. Ap.). Aus slav. Orěchovica wie oben S. 21.
2. Βαλτσινόν ON, Kr. Trikkala (Lex.). Am ehesten kommt als Quelle ein slav. *Boltьčьno von *boltьce zu abg. blato »Sumpf« in Frage. Belegen läßt sich öfter *boltьno zu *bolto, vgl. Miklosich, Slav. ON aus Appell. II 225 (143). Skr. sehr häufig Blatno, Blatna. Vgl. besonders bulg. Blatešnica.
3. Βάνια ON, Kr. Paralēthaiōn, Trikkala (Nuch., Stat. Ap.). Aus slav. *Banja in häufigem bulg. Banja, skr. sloven. Banja, zu kslav. banja »Bad«, skr. bȁnja, bulg. báńa.
4. Βαρμπόπη ON, Kr. Trikkala (Lex.). Von einem slav. PN *Varibobъ, wozu S. 110 ff.
5. Βατουσιάνη ein Ort bei Trikkala, belegt nur urk. a. 1348, s. Solovjev-Mošin 154, II. Vgl. damit den mazed. ON Varoš (Bitolj) und das Ableitungssuffix -ane bei Einwohnerbezeichnungen.
6. Βελεμίστι ON, Kr. Kalabaka (Lex., Philippson, Thessalien 158). Man ist versucht, an slav. *Velь̂je Město zu denken. Aber Δραγαμέστον zeigt gerade im zweiten Teil eine andere Behandlung des ě, das ich auch sonst nirgends in betonter Stellung durch i wiedergegeben finde. Immerhin erinnere ich wegen dieser Komposition an ON wie skr. Velji Breg, Velji Lug, Velje Polje, Velja Gora, Velja Brda usw. Anderseits vergleiche man skr. ON Velim und Velimje, von einem PN (wohl Kurzform von *Veliměrъ) gebildet, ähnlich poln. Radom. Die Weiterbildung eines solchen Namens mit -išče könnte dem griech. ON zugrunde liegen.
7. Βελέσι ON, Kr. Itamu, Karditsa (Nuch., Stat. Ap., Lex.); kann verschiedene slavische Formen wiedergeben: mazed. Veles (= Köprülü, Vȅlez bei Vuk), ferner auch skr. Veleš und endlich auch bulg. Beleš (Planina) in Mazedonien. Am wahrscheinlichsten ist mir die erste Gleichung.
8. Βελίτσαινα ON, Kr. Chalkis, Trikkala (Nuch., Stat. Ap.). Nach Weigand JIRSpr XXI 63 lautet die aromun. Form Vilitsani, was auf slav. *Veličane »Bewohner eines Veliko-Ortes« hinweisen würde. Weigand a. a. O. erklärt -ani »patronymisch«. Wir besitzen an ähnlichen Bildungen skr. Veličani, sloven. Veličane. Ohne die aromun. Form hätte ich eher an ein slav. *Veličьnа gedacht, das im poln. ON Wieliczna (Słown. Gcogr. XIII 328) vorliegt.
9. Βετερνῖκον ON, Kr. Aithikōn (Trikkala), s. Stat« Ap., Nuch.; aromun. Veterniko (Weigand). Der Name entspricht einem slav. *Větrenikъ »ein dem
87
Winde ausgesetzter Ort«, das vorliegt in skr. Vjetarnik, sloven. Veterník, čech. Větrnik, bulg. Větren. Vgl. Miklosich, Slav. ON aus Appellat II 335 (253), Weigand JIRSpr XXI 64.