Die Slaven in Griechenland
Max Vasmer
Kap. III. Verzeichnis der slavischen geographischen Namen nach Landschaften geordnet:
23. Mazedonien
Im folgenden werden diejenigen griechischen Gebiete behandelt, die der heutigen griechisch-slavischen Sprachgrenze verhältnismäßig nahe liegen. Die Ortsnamen derselben sind in griechischen und bulgarischen geographischen und statistischen Werken in voneinander abweichender Gestalt überliefert. Wenn beide Namenformen für einen Ort, sowohl die mazedonisch-bulgarische als die griechische, rein volkstümlich sind, hat schon die Vergleichung derselben einen Wert und erleichtert unzweifelhaft die Klärung etymologischer Fragen. Oft hat man aber den Eindruck, daß die slavischen Namen bloße Umsetzungen der griechischen auf orthographischer Grundlage sind, die mitunter auch gelehrten Eingriffen ausgesetzt gewesen sind, ähnlich wie die slavischen Stammesnamen Ostdeutschlands seit dem Zeitalter der Romantik in gewissen slavischen wissenschaftlichen Werken seit Šafařík einer Veränderung ausgesetzt gewesen sind wie diejenige von Serimunti zu Žirmuny. Die Scheidung der volkstümlichen slavischen Namen von den puristisch-gelehrt-slavischen im südlichen Mazedonien ist dringend notwendig, aber sie läßt sich nur auf Grund von genauen Erhebungen an Ort und Stelle mit Sicherheit durchführen. Solange das nicht geschehen ist, werden die gelehrten Slavisierungen hier die Ortsnamenforschimg eher hemmen als fördern. In den folgenden Abschnitten mußte ich mich bei den Etymologien größter Zurückhaltung befleißigen, weil heute solche gelehrte Formen nicht immer von den im Volksmunde wirklich vorhandenen unterschieden werden können.
Mazedonien muß im 7. Jahrhundert eine starke slavische Bevölkerung gehabt haben, da es als Σκλαυινιά bzw. αἱ Σκλαυινίαι bezeichnet wird. Vgl. Theophanes (ed. de Boor) 347, 6; 364, 9; 430,21. Unter Konstantin V Kopronymos (741—775) mußte bekanntlich gegen diese Slaven ein Feldzug unternommen werden. Vgl. Theophanes a. a. O. 430, 21 und sonst. Dazu auch Niederle, Sl. Star. II 421 ff. und Mutafčiev, Mak. Pregled IV, 2, 153.
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Im Gebiet von Berrhoia saßen die Δρουγουβῖται (so Theophan. Contin. 496, 6), auch Δρογουβῖται (Acta S. Demetrii, Migne PGr. 116 Sp. 1325) bzw. Δραγουβῖται (Acta S. Demetrii a. a. O. Sp. 1365) genannt. Die schwankende Schreibung erschwert die Deutung des Namens. Seit Perwolf, Archiv VII 593 ff. hat man eine Grundform *Dragovitji angesetzt, die aber nicht der Forderung entspricht, die am besten beglaubigte Namensform zur Grundlage der Deutung zu nehmen. Denn als solche kann nur die Form mit ο bzw. ου anerkannt werden. Findet sich doch Δρουγοβῖται auch noch bei Joannes Kameniates (ed. Bonn. S. 496, 6 ff.) und dazu haben wir die Bezeichnung Δρουγοβητείας ἐπίσκοπος a. 1580, s. Viz. Vrem. XX Beil. S. 34. Vgl. auch Niederle Sl. Star. II 424 ff. Zur Deutung ist wohl auf kslav. drugovati »socium esse« (*drugovitъ) zu verweisen (ähnlich Schwyzer mündlich). Ein Nachbarstamm der Δρουγοβῖτα̊ι, der sich mit diesen zu kriegerischen Handlungen vereinigte, waren die Σαγουδάτοι (Joann. Kameniates ed. Bonn. 496, 6), Σαγουδάται (Acta S. Demetrii ed. Tougard passim). Der Name ist aus dem Slavischen nicht zu deuten. Niederle Sl. Star. II 425 vergleicht ihn mit Σαγουδάοι in Kleinasien (bei Anna Komnena Alex. XV 2). Ich bin geneigt diesen Namen für turkotatarisch zu halten, wofür das schwankende -t-, das wohl mit der alttürkischen Pluralbildung zusammenhängt, als Beweis dienen könnte.
Östlich von den Stämmen der Δρουγουβῖται und Σαγουδάται saßen in Mazedonien die Ῥυγχῖνοι (Belege bei Niederle Sl. Star. II 425 ff.), deren Namen man mit dem Namen des Flusses Ῥήχιος = Struma in Zusammenhang bringt. Es wären dann die Slaven westlich der Struma und in der Chalkidike. Die Verknüpfung des Stammesnamens mit dem Flußnamen ist denkbar, wenn einerseits der Itazismus, andererseits der Wandel eines γχ zu χ im Mittelgriechischen berücksichtigt wird. Der Flußname kann allerdings aus dem Slavischen nicht gedeutet werden. Ein altslavisches *rǫčajь »Schnellbach« läßt sich nicht glaubhaft machen trotz Mutafčiev, Mak. Pregled IV, 2, 148, sondern nur *ručajь; poln. ruczaj, russ. ručej gehört zu bulg. ruči (voda) »rauscht«, skr. ruknuti, s. Miklosich EW 282, Brückner EW s. v. Auch eine slav. Grundform *Rǫždane (s. Mutafčiev a. a. O.) ist linguistisch nicht zu verantworten.
Weiter östlich finden wir hinter dem Στρυμών (Struma) die Σκλαβῖνοι οἱ ἀπὸ τοῦ Στρυμόνος (Acta S. Demetrii) oder Στρυμονῖται des Joannes Kameniates. Über sie vgl. Niederle Sl. Star. II 427. Ihnen schließen sich im Rhodope-Gebirge die Σμολεάνοι, auch Σμολένοι genannt, an. Auch über diesen Stamm vgl. Niederle a. a. O. II 428.
Die Sicherung der Verbindung zwischen Konstantinopel und Thessalonike bildete eine Hauptsorge der Byzantiner seit dem Slaveneinbruch. Diese Verbindung stellte zu Lande die alte Via Egnatia her. Die Slaven der Strumagegend konnten diesen strategisch wichtigen Weg durch Aufstände
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gefährden. Mutafčiev a. a. O. IV, 2 144 ff. hat wahrscheinlich gemacht, daß der in der Vita des Gregorios Dekapolites geschilderte Slavenaufstand sich auf die Strumagegend bezieht, da der Heilige von Christopolis (Kavala) um 815 nach Thessalonike reiste [1]. Die strategische Bedeutung des thrakischen Küstenlandes für das Byzantinische Reich macht uns auch verständlich, warum dieser Küstenstrich dem Griechentum nicht verlorenging, wenn man davon absieht, daß der Osmanische Staat aus den gleichen Gründen durch Ansiedlung von Türken in späterer Zeit diese Straße zu sichern bestrebt war, auch in dieser, wie in vielen andern Beziehungen ein Nachahmer der Byzantiner. Türkische Ansiedlungen am Tachyno-See und am Vardar, von denen die letzteren auf das 9. Jahrhundert zurückgehen sollen, bespricht Leonh. Schultze-Jena, Mazedonien 38.
Über die Zurückdrängung der bulgarischen und türkischen Bevölkerung in Mazedonien seit dem Weltkriege, speziell in dem Gebiete vom Doiran-See bis Thessalonike, in der Furche von Langada, bei Serres und Siderokastron (Demir Hisar), in der Furche von Pravi (Pravišta), in der Mesta-Gegend in Thrakien und in den Gegenden von Florina, Kailari und Katerini in Westmazedonien, vgl. näheres bei Herbert Lehmann, Zeitschr. d. Ges. f. Erdkunde zu Berlin 1929 S. 116 ff. (mit Karte), und Papenhusen ebda. 1933 S. 34 ff.
Es folgt nun eine Übersicht der slavischen Namen in verschiedenen Landschaften Mazedoniens:
a) Gebiet von Kozani
1. Ἀνασέλιτσα ON und Gebiet südlich von Kastoria, bei K. Náselica könnte mit volksetymologischer Einführung von ἀνά für na- als slav. Name gedeutet werden. Vgl. skr. Naseoce (Sarajevo) zu *Naselьcь. Andererseits hat schon Aravandinos 114 und 148, der den Namen Ἀνασελίτζα und Νασιλίτζα schreibt, darauf hingewiesen, daß eine Grundform Ἄνω Σελίτσα in Frage kommt, weil es sich um eine Siedlung aus Σέλτσα, Σελίτσα in Mazedonien handelt. Eine Entscheidung der Frage ist nur mit Hilfe älterer Belege und siedlungsgeschichtlicher Forschung möglich.
2. Βάνιτσα: Ἄνω ΒB. und Κάτω. Β. zwei Ortschaften, Kr. Kozani (Lex.). Die bulg. Namen sind nach K. Golěmo Vanica (Vanča) und Malo V. Der Name Vanča zeigt türkische Umgestaltung von Βάνιτσα. K. registriert in beiden Orten keine bulgarische, nur griechische und türkische Bevölkerung. Ich halte den bulg. Namen für entlehnt aus dem griechischen. Die Quelle des griechischen ist m. E. ein slav. *Banjica: banja »Bad«, welches sich im skr. Banjica, bulg. Banica oft belegen läßt. Vgl. dazu Miklosich, Bildung 224.
3. Βαντσικό ON, Kr. Grebena (Lex.) Βαντζικόν (A.). Dafür bei K. Vanskο, Vančiko. Der Ort hat nach K. nur griechische Bevölkerung. Den
1. Vgl. F. Dvornik, La vie de Saint Grégoire le Décapolite, Paris 1926.
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bulg. Namen erkläre ich als Umgestaltung des griechischen. Der letztere geht zurück auf slav. *Banjьsko : banja »Bad«. Vgl. skr. Banjska, Banjsko, poln. Bańsko, bulg. Bansko.
4. Βάρτσα ON, Kr. Grebena (Lex.). Eine anderssprachige Form für diesen Namen kann ich nicht finden. Die Deutung ist schwierig. Es könnte bulg. Vratca, skr. Vrace verglichen werden (wozu Miklosich, Bildung 339), aber wenn hier griech. ρ aus λ entstanden ist, was in Ermangelung von älteren Belegen nicht nachgeprüft werden kann, dann ergeben sich andere Möglichkeiten (*boltьce : *bolto).
5. Βελίστη ON, Kr. Anaselitsa (Lex.), damit unzweifelhaft verwandt ist Βελίστι ON, Kr. Kozani (Lex.). Für letzteren Ort mit ausschließlich griechischer Bevölkerung gibt K. den Namen Velista, Velišta. Der erstere Name hat bei K. keine Entsprechung. Eine eindeutige Erklärung ist nicht möglich. Vgl. skr. Belišće, ferner steht mazed. Velešta (Bitolj).
6. Βέντσια ON, Kr. Grebena (Lex.). Dafür bei K. die Formen Věnci, Věnče. Man ist geneigt, mit diesen Namen die bulg. ON Věnec, Věncitě zu vergleichen, wozu auch skr. Venčane kommt.
7. Βηλιά ON, Kr. Grebena (Lex.). Wohl slav. Velь̂ja »groß«. Vgl. die vielen ähnlichen Namen bei Miklosich, Bildung 335. Diesen griechischen Namen schreibt Hilferding I 288 Βέλια und bietet dazu die obenstehende Erklärung.
8. Βιβίστα ON, Kr. Grebena (Lex.). Wohl identisch mit Vidište bei K. , wo nur griechische Bevölkerung angegeben ist. Durch diese zweite Form wird Hilferdings 1288 Herleitung des griech. Namens aus einem slav. Ivišče: altslav. iva »salix« unsicher, die sonst durch Parallelen bei Miklosich, Bildung 255 gestützt werden könnte.
9. Βίλιανη ON, Kr. Anaselitsa (Lex.). Bei K. heißt es: Vil’an. Stammt als Einwohnername von dem obigen Βηλιά. Verglichen werden kann damit aber auch skr. Viljance (Raška).
10. Βίνιανη ON, Kr. Anaselitsa (Lex.). Nach K. heißt es Vińani. Vgl. damit skr. Vinjane, Vinjani.
11. Βιστρίτσα, der Fluß Ἀλιάκμων, der sich in den Thermäischen Meerbusen (heute Golf von Thessalonike) ergießt, vgl. F. Stählin, Thessalien 32. Entspricht einem slav. *Bystrica, skr. Bìstrica (häufig, nach Vuk), bulg. Bistrica (ebenfalls oft, s. Cankov s. v.).
12. Βίτσι ON, Kr. Grebena (Lex.). Βίτζι, Μοσχάρι (A.). Dafür bei K. Bič und nebenbei auch Vič, Vica. Anscheinend soll damit die erstere Form als die »bessere« bezeichnet werden. Die Formen Vič und Vica sind Umgestaltungen des griechischen ON. Den letzteren bin ich geneigt, wegen der Form Bič und wegen Μοσχάρι mit sloven. ON Bič, skr. Biča (Zetska) auf eine Ableitung von altslav. bykъ »Stier« zurückzuführen.
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13. Βοδεντσικό ON, Kr. Kastoria (Lex.). Nach K. heißt der Ort Vodensko (Vudinsko). Die Grundlage ist offenbar *Vodensko. Die Form Vudinisko ist wohl ungenaue Wiedergabe einer griechischen Lautform, die die nordgriechische Vokalverengung wiederspiegelt. Weniger glücklich ist Hilferdings I 288 Herleitung des griechischen Namens aus einer russisch gedachten Form *Vodenecko. Ich vergleiche bulg. Vodenci, skr. Vodena Draga, Vodeni Do usw.
14. Βοεβοδίνα ON, Kr. Kailarion (Lex.). Nach K. Vojvodina. Als »Wojewodenort« zu slav. vojevoda, Abl. Vojevodina, Adj. vojevodinъ, skr. vȍjvoda, vȍjvodin (Vuk), bulg. vojvóda. In ON findet sich skr. Vojvodina, kajk. Vojvodinec, bulg. Vojvodinovo.
15. Βούρμποβον ON, Kr. Grebena (Lex.), bei K. Vъrbovo. Es ist ein »Weidenort«, skr. Vrbovo, bulg. Vъrbovo. Vgl. Miklosich, Bildung 339. Denselben Ort meint offenbar Hilferding I 288, wenn er für den obigen Namen Βορμπόβι schreibt.
16. Βραβονίστα ON, Kr. Grebena (Lex.). Bei K. Vravonište. Den Namen versucht Hilferding I 288 ohne nähere Nachweise als slavisch hinzustellen. Die von K. angegebene Form ist zweifellos eine Wiedergabe der griechischen Schreibung. Den griechischen Namen könnte man höchstens vergleichen mit skr. Brabonić (Raška).
17. Βράτσινον ἢ Βραστόν ON, Kr. Grebena (Lex.). Bei K. heißt er Vreaštino, Vrašen. Die Ortschaft hat nur griechische Bevölkerung. Die von Kъnčov überlieferten bulg. Namen halte ich für Umgestaltungen unter Einfluß der griechischen. Die slavische Grundform war anscheinend *Brěstъ »Ulme« bzw. *Brěstьno, demvderselbe ON wird von A. und Hilferding I 288 als Βριάσινον wiedergegeben. Vgl. bulg. Brěst, Brěstnica, skr. sloven. Brest.
18. Βρόντιζα ON, Kr. Anaselitsa (Lex.). Wohl identisch mit K's Vrondžišta (Vraništa). Die Einwohner sind Griechen.
19. Βρόστιανη ON, Kr. Anaselitsa (Lex.). Am nächsten steht mazed. Broštica (Bitolj): bulg. brošt, kslav. broštь »Färberröte«, skr. brȍć. Adjekt. bulg. *broštěnъ. Vgl. auch skr. Broćanac, Broćani, Broćna. Zur Sippe s. Berneker EW I 88. Lautlich schwieriger wäre Anknüpfung an mazed. Broždani von *brodъ »Furt«, zu welchem Skok GSND XII 213.
20. Γιάκοβη ON, Kr. Anaselitsa (Lex.). Bei K. Jankovo. Von Griechen bewohnt.
21. Γκινόσιον ON, Kr. Anaselitsa (Lex.). Bei K. Ginuš. Nur von Griechen bewohnt.
22. Γκόβλιτσα ON, Kr. Kozani (Lex.). Nach K. Goblica. Anscheinend zu slav. *kъbьlъ »Kübel«, d. h. »Talsenkung«. Vgl. bulg. ON Kъbel.
23. Γκομπλάρι ON, Kr. Grebena (Lex.), Κουμπλάρι, Νιπτόποδος (A.), K. hat Koblar. Dazu kommt als griechische Neubildung Γκομπλαράκι ON, Kr. Grebena (Lex.), bei K. Gobelarak, letzteres unzweifelhaft durch die
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griechische Form beeinflußt, weil der Ort nach K. nur griechische Bevölkerung aufweist. Die Grundlage bildet slav. *kъbьlarь, skr. kàblȃr »Küfer«, kàbao »Wassereimer«, An geographischen Namen beachte man besonders skr. Kàblȃr »ein Berg am linken Ufer der Morava« (Vuk), ON Kablari (Sušak).
24. Γοστίμι ON; Kr. Grebena, nach Hilferding I 288, der dafür auch den Namen Φιλόξενος angibt. Keiner dieser ON erscheint im Lex. Damit identisch ist offenbar Gostom, Gostun bei K. Es ist eine Ableitung von einem PN, der in südslavischen ON anscheinend fehlt, aber sonst sich belegen läßt. Vgl. čech. Hostim (oft), poln. Gościmin, Gościmowice (Słown. Geogr. II 738fr.). Die Grundform war PN *Gostimъ, Adj. *Gostimjь. Übrigens gibt es im Polnischen auch ON Gostom, Gostomia, Gostomie (ebenda). Da neben diesem PN ein slav. gostiti »bewirten« steht, ist Φιλόξενος als eine Übersetzung des slavischen Namens anzusehen.
25. Γραμματίκοβον· Ἄνω und Κάτο Γρ. Zwei Orte im Kr. Kailariōn (Lex,). Bei K. dafür Gorno und Dolno Gramatikovo. Eine slavische Ableitung von griech. Γραμματικός.
26. Γρεβενά ON, Kr. Kozani (Lex.), Γρεββενά (A.). Nach K. Grebena, Grevena. Der Ort hat nach K. k e i n e slavische Bevölkerung aufzuweisen. Das slav. Grevena ist nach Ausweis des v eine Rückentlehnung aus dem Griechischen. Das griech. Γρεβενά beruht auf slav. *grebenь »Kamm«, auch »Gebirgskamm«. Vgl. den bulgarischen Gebirgsnamen Greben (Cankov), skr. grȅbȇn »der hervorragende Teil eines steilen Felsens« (Vuk), Grebènik ein Gebirgsland zwischen Bjelopavlović und Rovci (Vuk). Auch ON skr. Greben, Grebenac, sloven. Grebenc. Zur Lage von Γρεβενά vgl. Philippson, Thessalien 159.
27. Δέβρη ON, Kr. Kailariōn (Lex.). Aus slav. *Dьbrь »Schlucht«, wozu oben S. 142. Bulg. ON Debъr.
28. Δέλινον ON, Kr. Kozani (Lex.). Wohl slav. *dělьno zu děl »Scheide«. Vgl. skr. sloven. Delnice, skr. Delničke Poljane usw.
29. Δέλνον ON, Kr. Grebena (Lex.). Wohl etymologisch identisch mit dem vorigen, wobei unbetontes i im Nordgriechischen geschwunden wäre.
30. Δημηνίτσα ON, Kr. Grebena (Lex.). Nach K. Dimenica. Diesen Namen hält Hilferding I 288 für slavisch. Ich kann einen ON *Dymьnica, an den man zu denken versucht wäre, nicht belegen.
31. Δοβράνη ON, Kr. Grebena (Lex.). Bei K. Dobrani, Dovrani. Hilferding I 288 schreibt nach A. Ντοβράνη. Wohl slav. *Dobrjane Bewohner eines Ortes Dobra. — Dovrani ist eine Rückentlehnung aus dem Griechischen, da die Einwohnerschaft nach K. kein bulgarisches Element enthält. Vgl. bulg. ON Dobrenitě, čech. Dobřany.
32. Δοβράτοβον ON, Kr. Grebena (A.), zitiert auch bei Hilferding I288. Dafür Ντοβράτοβον im Lex., bei K. Dobratovo. Deutlich liegt eine slavische
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Ableitung mit -ovo von einem PN vor. Der PN selbst kann von mir in dieser Form anderweitig nicht belegt werden. Skr. Dobretin geht auf *Dobręta zurück. Vgl. auch S. 44 Nr. 240.
33. Δοβρούνιστα ON, Kr. Grebena (Lex.), Δεβρόνιστα nach A. Auch eine Ableitung von einem PN, der dem russ. Dobrynja entspricht. Vgl. dazu auch poln. Dobryń, Dobrynia, Dobrynin (Slown. Geogr. II 82 ff.). Offenbar ist derselbe griechische ON gemeint bei Hilferding I 288, wenn er die ungriechische Form Δεβρόνστα bietet, die er auf ein sehr rätselhaftes Debrentšče zurückführt.
34. Δομαβίστη ON, Kr. Anaselitsa (Lex.). K. hat dafür Domovišta. Ein slav. *Domovišče von domъ »domus« als Quelle liegt nahe. Ich kann es aber in ON nicht belegen.
35. Δρυάνοβον ON, Kr. Anaselitsa (Lex.). Über den griechischen ON, der Δρυάνοβον, Δράνοβον geschrieben wird, vgl. den mir nur aus dem Viz.Vrem. I 223 bekannten Aufsatz von Aphthonidis, Παρνασσός XV (1894) 461 ff.
36. Ζάλοβον ON, Kr. Grebena (Lex.), bei K. Zalovo. Der Name hat ein durchaus slavisches Aussehen. Wenn er mit sloven. Žalovce zusammen hängt, muß die Form bei K. Rückentlehnung aus dem Griechischen sein. Schwierigkeiten ergeben sich daraus nicht, denn nach K. ist die Bevölkerung des Ortes nicht slavisch.