Die Slaven in Griechenland
Max Vasmer
Kap. III. Verzeichnis der slavischen geographischen Namen nach Landschaften geordnet:
16. Achaia
1. Ἀλέσταινα ON, Kr. Psophis (Nuch., Stat. Ap., Lex.), Ἀλάστενα bei R. Vom griechischen Standpunkt steht nichts im Wege, sich den anlautenden α-Laut durch Sandhi an Stelle eines ε- aufgekommen zu denken. Dann bietet sich die Möglichkeit, in diesem Namen eine Ableitung des slav. *elьcha »Erle« zu sehen, speziell das Adj. elьšьna. Vgl. kslav. jelьcha »Erle«, skr. jóha, jóva aus * jelьcha, bulg. elchá. Zur Sippe s. Berneker EW I 453. Man beachte besonders skr. Jelašnica, das eine skr. Form *Jelašna voraussetzt. Das wäre bulg. *Elešna; mehrfach belegt ist bulg. Elešnica. In der Lautverbindimg šn konnte ein sekundäres t von Griechen gehört werden und später Anpassung an -αινα stattfinden. Der Typus ist jedenfalls im Slav. alt, vgl. čech. Olešná, Olešnice, poln. Oleszno (mehrfach), wozu Miklosich, Bildung 290. Lautlich überzeugender als diese Deutung ist aber doch die Herleitung aus slav. *Lěščьna wie unten S. 142 Lestenitsa. Das Ἀ- wäre dann auch griechisch. Vgl. unter Nr. 4.
2. Ἀναστάσοβα ON, Kr. Aroanía (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Eine slavische Ableitung von griech. Ἀναστάσιος, neugriech. Ἀναστάσης. Weitere Umgestaltungen des letzteren verzeichnet Buturas S. 57 ff. Der Zusammenhang mit dem griechischen Personennamen war auch schon Sathas DI IV S. LI klar, der aber die slavische Wortbildung nicht beachtet.
3. Ἀραβωνίτσα ON, Kr. Erineú (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Diesen Namen erklärt Hilferding I 293 aus einem slav. *Ravьnica »ebene Gegend«. Dafür kann man sich auf die Häufigkeit des skr. ON Ravnica, Ravnice berufen. Immerhin bleiben lautliche Schwierigkeiten, die durch die Annahme volksetymologischer Umgestaltung des Namens nach gr. ἀρραβών, ngr. ἀρραβώνα kaum beseitigt werden können. Also unsicher, solange ein älterer Beleg fehlt.
4. Ἀραγόζενα ON, Kr. Erineós (Nuch., Stat. Ap., R., Lex.). Der Name geht zurück auf slav. *rogozьno von rogozъ »Schilf«. Der Vorschlag des Ἀ-konnte auf griechischem Gebiet im Sandhi aufkommen. Vgl. über einschlägige slavische ON oben S. 107 und Miklosich, Bildung 309.
5. Ἀράχοβα ON, Kr. Aigieis (Nuch., Stat. Ap., Lex,). Aus slav. Orěchovo. Also »Nußort« wie oben S. 21 und 114.
6. Ἀράχοβα ON, Kr. Phelloē (Lex., Stat. Ap.). Dafür Ῥάχοβα bei R und Nuch. Zu deuten wie der vorhergehende Name. Ἀραχοβίτικα ON,
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Kr. Patras (Stat. Ap., Lex.) fehlt bei Nuch. Es ist eine offenkundige griechische Neubildung nach einem ἀράχοβα. Abgesehen von dem Namen selbst kann dafür auch der Name des benachbarten Καρυώτικα alsb Beweis angeführt werden.
7. Ἄρλα ON, Kr. Dyme (Nuch., R., Stat. Ap.), fehlt im Lex. Der Name ist abgeleitet von einem slav. *orьlъ »Adler« und entspricht einem bulg. ON Orl'a, skr. sloven. Orle. Dazu gibt es nicht wenige Parallelen in andern slavischen Sprachen. Vgl. Miklosich, Bildung 291, Hilferding I 293, Pogodin 79 ff. Dagegen ist Ὀρίολος, Ῥίολος Name für den agriech. Λάρισος bezeichneten Fluß (R. II 40) von obigem Namen zu trennen und aus lat. rivulus abzuleiten.
8. Βαλκουβίνα ON Kr. Akrata (Stat. Ap., Lex.) fehl bei Nuch. Wohl identisch mit unserm Namen ist die Benennung Μπαλκουβίνα für eine θέσις ὑποστατικῶν κατοικουμένη im Kr. Aigeira bei R. Es ist auszugehen von einem slavischen *Vl̥kovina, das vorliegt in der mehrfach zu belegenden skr. Form Vukovina, ferner skr. Vukova, bulg. Vъlkovo u. a. Vgl. zu den slav. Namen Miklosich, Bildung 337.
9. Βάλτος ON, Kr. Kleitoria (Nuch., Stat. Ap.), nach R. Βάλτος und Βάλτση. Kann auch eine griechische Neubenennung sein, wie oben S. 22. Βάλτση ist alb. bal'tεsí.
10. Βάλτσα ON, Kr. Kerpinē (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Zu deuten wie der gleichlautende Name oben S. 124.
11. Βελβίτσι ON, Kr. Patras (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Es handelt sich offenbar um eine puristische griechische Form, die einem vulgären *Βερβίτσι entspricht. Dieses enthält ein slav. *Vьrbica »Weidenort«. Die entsprechende Form skr. Vrbica, bulg. Vъrbica läßt sich besonders oft in ON feststellen. Vgl. weiteres bei Miklosich, Bildung 339.
12. Velia »ein Berg» der die südliche Wand des Tales von Kalabryta bildet« (1366 m), so Philippson, Peloponnes 129. Es ist slav. Velь̂ja (Gora) »der große Berg«.
13. Βελιβίνα ON, Kr. Kerpinē (St., Ap., Lex.). Dafür bei Nuch. ein Βιλιβίνα, R.: Βυλιβίνα. Zunächst hat man den Eindruck, daß dieser Name wurzelverwandt ist mit poln. Wielebnów u. dgl. (s. Słown. Geogr. XIII 311), Da aber ähnliche Namen auf südslawischem Boden nicht nachgewiesen werden können, muß eine andere Deutung in Erwägung gezogen werden. Diese kann von der Annahme ausgehen, daß Βελιβίνα eine hyperkorrekte Form für volkstümliches *Βερβίνα ist. Das letztere kann unschwer aus *Vьrbьna abgeleitet werden. Dann hätte der Ort auch die Bedeutung »Weiden(dorf)«. Andererseits könnte der griechische Name zu skr. Beljevina von bělь »weiß« gestellt werden. Diese letztere Deutung ist vielleicht die wahrscheinlichste.
14. Βελιτσές ON., Kr. Dyme (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Wohl als griechische Pluralbildung identisch mit skr. sloven. Belica, bulg. Bělica die
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sich sehr häufig belegen lassen. Eine Grundform *Veliča von velikъ, könnte auch in Betracht kommen, doch läßt sich *Veliča, soviel ich sehe, nirgends in den südslav. Ländern belegen. Vgl. auch S. 103 Nr. 7.
15. Βελλά ON, Kr. Phelloē (Nuch., Stat. Ap., Lex.), beruht offenbar auf slav. Běla. Vgl. die dazugehörigen slav. Namen bei Miklosich, Bildung 224 und oben S. 118. Anders deutet den griechischen ON Amantos, Suffixe 69, der ihn zusammen mit einem mir nicht bekannten epirotischen ON Βελά auf einen fremden Personennamen Βελᾶς bei Niket. Choniat. 167, 12 zurückfuhrt. Ein Ort Βελά, zum Erzbistum Naupaktos gehörig, wird erwähnt urk. a. 1367, s. Mikl.-Müller I, Nr. 235.
16. Βερβοβίτσι ON, Kr. Aigieis (Stat. Ap.), fehlt bei Nuch. und im Lex. Die slav. Grundform war offenbar *Vьrbovьcь, also »Weidenort«. Vgl. bulg. Vъrbovec, sloven. Vrbovec und sehr häufiges skr. Vrbovac. Dazu s. Miklosich, Bildung 339.
17. Βεργουβίτσα ON, Kr. Phelloē (Nuch., Stat. Ap.), dafür Βεργοβίτσα im Lex. Zugrunde liegt ein slav. *Bergovica von *bergъ »Ufer«. Auch von einem *Bergovьcь aus könnte die griech. Form erklärt werden. Letzteres liegt vor in skr. Bregovac, s. Miklosich, Bildung 228, Hilferding I 294. Hingewiesen werden kann auch auf die häufigen, damit verwandten skr. Brȅgovo (Vuk), bulg. Brěgovo.
18. Βερσοβά ON, Kr. Aigeira (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Auszugehen ist von einem slav. *Versovo von *versъ »Heidekraut«, sloven. vres, skr. vrijes, wozu Miklosich EW 384. Genau stimmt der griech. ON zu bulg. Vrěsovo. Da im griech. ερ auch die Vertretung von altslav. ьr enthalten sein kann, hat Hilferding I 293 an skr. Vrševo anknüpfen wollen. Im letzteren Falle macht die Lautverbindung -šo- Schwierigkeiten, die jüngeren Ursprungs sein müßte, was in dieser entlegenen Gegend weniger wahrscheinlich ist als in Nordgriechenland.
19. Βερσίτσι ON, Kr. Psophis (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Die Grundform muß *Vьršьcь gewesen sein, das vorliegt in skr. Vȑšac, bulg. Vъršec. Die slav. Namen gehören zu abg. vrьchъ »Gipfel«. Vgl. dazu Miklosich, Bildung 340, Hilferding I 294. Ganz unberechtigt nimmt Sathas DI IV S. XLVI für den griechischen Namen albanische Herkunft an. Im Albanischen findet sich nichts, was als Quelle in Frage käme.
20. Βερσοβίτσι ON, Kr. Aigeira (Lex.), fehlt in Stat. Ap. und bei Nuch. Zum vorigen als *Vьrševьcь oder als ein »Heidekrautort« zu Βερσοβά mit Grundform *Versovьcь. Vgl. dazu oben unter Nr. 18.
21. Βίδοβο ON, Kr. Dyme (Nuch., Stat. Ap.), im Lex. heißt es : Βίδοβα. Die slav. Grundform war *Vidovo. Vgl. damit skr. ON Vidova, Vidovo, Vidovac, auch poln. Widów, Widowo (Słown. Geogr. XIII 292).
22. Βισοκά ON, Kr. Kalabryta (Nuch., Stat. Ap.), Βισωκά R. Im Lex. wird der Ort Βισοκαζ ἢ Βισοτιά genannt. Im Δελτιόν I 122 ff. ist von Βυςόκα
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κωμόπολις τῶν Καλαβρύτων die Rede. Aus slav. vysoka »hichgelegener (Ort)«. Vgl. skr. oft. Visoka, Visoko, bulg. Visoka. Dazu siehe Hilferding I 294.
23. Βλωβοκά ON, Kr. Aigialeia (Lex., Nuch., R.). Dafür in Stat. Ap. Βολχοκᾶ. Hilferding I 293 liest den Namen mit R. als Βλοβοκά. Zu beachten ist aber bei R II 735, daß er den Namen zuerst als Βλοβοκά schreibt und dann zu Βλογοκά verbessert. Vgl. auch Βλογοκίτζα, eine zum Kloster Mega Spelaion gehörige Ortschaft, urk. a. 1350 bei Mikl.-Müller V 192. Zugrunde liegt die Bezeichnung »tief«, altslav. *glъbokъ: skr.-kslav. glьbokь, skr. dial. nordčak. gubok, gelbȍk, slovak. hlboký usw., wozu Berneker EW I 307. Daneben könnte man an die Möglichkeit einer Grundform *dl̥bokъ denken, wegen bulg. dъlbók »tief«, skr. dùbok, worüber Berneker a. a. O. I 251. Die Bezeichnung paßt gut auf die Gegend, wo Philippson, Peloponnes 132 eine Talsenkung feststellt.
24. *Voda : einen solchen Namen soll nach Hilferding I 293 das im Altertum als Παναχαϊκὸν τὸ ὄρος bezeichnete Gebirge führen. Ich finde den Namen sonst nirgends und vermute ein Mißverständnis. Philippson, Peloponnes 258 ff. nennt dieses Gebirge mit dem modernen Namen Βοϊδιᾶς also »Ochsengebirge«. Auch die Herleitung dieses angeblichen *Voda von slav. voda »Wasser« bei Hilferding ist nicht sehr vertrauenerregend. Dieser Name hat offenbar aus der Untersuchung der slav. geographischen Namen in Griechenland zu verschwinden.
25. Βόδοβα ON, Kr. Aigialeia (Lex.) Wohl aus einem slav. *Bodovo. Vgl. bulg. Bodovskoto, sloven. Bodovlje.
26. Βόστιτσα Name des alten Aigion (Nuch., R. II 157 usw.). Der Ort liegt unweit des antiken Σελινοῦς. Der Fluß Σελινοῦς zwischen Aigion und Helike heißt heute ποτάμι τῆς Βοστίτσας, nach R. II 34. Der Name Βόστιτζα begegnet in der Chronik von Morea (siehe J. Schmitts Index), Βόστιτζα, Βοστίτζα bei Phrantzes S. 130, 414, 447, dorf auch Βοστιτζανούς Acc. pl. S. 414, ebenso Βοστίτζα in einer Urkunde a. 1674, s. Miklosich-Müller V 196, Vosticia a. 1422 bei Sathas DI I 117, lacus Vestize a. 1467, s. Sathas a. a. O. 265, vgl. auch Vostica bei Giacomo Gastaldi (s. Sathas DI III Karte I); daneben Lagusticia und Lagostiza 1454 s. Sathas c. l. I 222. Wie die letztere Form entstanden ist, zeigt uns la Avostiza bzw. la Avosticza in den Tables des fiefs de la Morée a. 1364, vgl. Hopf, Chroniques gréco-romanes 228. Der vorgesetzte Artikel la vereinigte sich also mit Avosticza zu einem Ganzen und darauf fand Anlehnung an die Sippe prov. langosta, franz. langouste statt. Über die letztere Wortsippe s. Meyer-Lübke, Rom. Wb. 368. wie haben also als älteste Form des griechischen Namens Βοστίτσα (Akzentstelle unsicher) oder *Avostica anzusetzen. Hilferding I 293 geht bei der Erklärung des Namens aus von einem slav. *Voščica, vgl. dazu skr. Voščíca, Voštane, sloven. Vošče. Eine andere Möglichkeit der Erklärung
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bietet sich durch Anknüpfung an die Sippe von kslav. ovoštь »fructus«, skr. vȍće, bulg. ovoštka, oštka »Obst«, wozu Miklosich EW 228. Ich wage nicht zu entscheiden, welche Deutung hier vorzuziehen ist. Die zweite Deutung kann such darauf berufen, daß das antike Σελινοῦς unweit von diesem Ort gelegen had und nach der Ferstellung von Philippson Peloponnes 260 und 279 liegt der Ort heute in üppig fruchtbarer Gegend.
27. Βραχνί ON, Kr. Kalabryta (Nuch., Stat. Ap.), dafür in Lex. Βραχνέϊκα. Diesen Namen versuchte Hilferding I 294 recht unglücklich als slavisch hinzustellen, indem er auf Grund von russ. verchnij »oberer« ein alislav. *vrъchne ansetzte. Ich halte die russische Bildung nicht für so alt und lehne für die Zeit der Slaveninvasion im Peloponnes die Möglichkeit einer solchen Bildung mit -chn- ab. Dabei berufe ich mich auf das Fehlen der -chn- Formen dieser Wurzel in bulgar. und skr. ON. Den Namen Βραχνί vermag ich aus dem Slavischen nicht zu deuten und halte ihn eher für griechisch.
28. Βρέσταινα ἢ Βρώσταινα ON, Kr. Aigialeia (Lex.); bei R. und Stat. Ap. Βρώσταινα, zu deuten wie das Folgende.
29. Βρέστενα ἢ Βρώσθαινα ON, Kr. Kalabryta (Lex.), bei Nuch. und R. nur Βρώσταινα. Diese Namen versuchte Hilferding I 294 auf ein slav. *brostьna zurückzuführen. Es ist nicht klar, was er darunter meint, denn skr. bȓst, bulg. brъs(t), m. »junge Sprossen«, ukr. brost', brost »Knospe« setzen ein *brъstь voraus (vgl. Berneker EW I 91). Diese Sippe genügt aber kaum zur Erklärung des griechischen Namens. Vgl. oben S. 68. Ebenso könnte an kslav. broštь »Färbrröte«, bulg. brošt, skr. brȍć angeknüpft werden. Dann wäre *Broštьna die bulgarische Vertretung, während skr. ON ein ć zeigen wie Broćanac, Broćani, Broćna. Allerdings kann ich auf diese Weise die Nebenform Βρέστενα (so auch Lex.) nicht erklären, die mit Βρόστενα etymologisch überhaupt nicht vereinigt werden kann. Bei Βρέσταινα ist an den slavischen Ulmennamen *brěstъ (vgl. oben S. 26) anzuknüpfen, der widerum bei der Erklärung der Βρο-Formen nicht hilft.
30. Γαρδενά ON, Kr. Aigieis (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Der Name geht zurück auf slav. *Gordьno, entspricht also russ. Gorodьnъ, poln. Grodno, und gehört weiter zu abg. gradъ »Stadt, Burg«. Vgl. besonders skr. ON Gradna, Gradnja, sloven. Gradnik, bulg. Gradnica.
31. Γκέρμπεσι zwei ON, Kr. Kalabryta (Lex.) und Kr. Patras (Lex.). Zu deuten wie oben S. 126.
32. Γολέμι ON, Kr. Tritaia (Nuch., Stat. Ap., Lex.) Entspricht kslav. golěmъ »groß«, bulg. golěm, skr. gòlem, wozu Berncker EW I 320. In ON findet sich sehr häufig bulg. Golěm, Golěma, skr. Golemo.
33. Γουμενίτσα ON. Kr. Lapathōn (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Es handelt sich hier um zwei Ortschaften: Ἄνω Γ. und Κάτω Γ. Die Quelle ist *Gumьnьnica, abgeleitet von slav. gumьno »Tenne«, abg. gumьno, bulg. gumnó, skr. gúmno, čak. gubnȍ, s. Berneker EW I 362. Näheres siehe oben S. 29. Hilferding
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I 294 geht bei der Erklärung des griechischen ON von bulg. Gumníšte aus. Wenn das richtig ist, dann müßte im Griechischen ein Suffixwechsel stattgefunden haben, den man nicht nachweisen kann.
34. Γρεβενόν ON, Kr. Tritaia (Stat. Ap., Lex., R., Nuch.). Urk. a. 1395 s. Mikl.-Müller II Nr. 493, auch Greveno a. 1465 bei Sathas DI VI 10 und Γρεβενόν : Laon. Chalkond. II 232, 2; 233, 19. Geht auf slav. grebenь »Kamm« zurück, bulg. grében, skr. grȅbēn, wozu oben S. 30 und Hilferding I 293.
35. Δεσινόν ON, Kr. Aroanía (R., Nuch., Stat. Ap., Lex.). Man ist versucht, den Namen mit abg. desnъ »recht« in Verbindung zu bringen, wo aber ein Vokal zwischen s und n in alter Zeit nicht belegt werden kann; das slavische Wort erscheint als bulg. désen, skr. dȅsan. Berneker EW I 187 setzt auf Grund der neubulg. Form ein urslav. *desьnъ an, das er stützen will durch aind. dákṣinas »recht«, avest. dašina-, lit. dešin
»rechte Hand«. Das slavische Wort desnъ begegnet auch in ON wie skr. Desna Reka, Desna Luka u. a. Vgl. übrigens noch skr. Desin, sloven. Desine.
36. Δουμενά ON, Kr. Kerpinē (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Urkundlich belegt a. 1350, s. Mikl.-Müller V 191. Ein slav. *Dymьna als Quelle, von dymъ »Rauch«, vermutet Hilferding I 294. In ON findet sich mazed. Dimci, čech. Dymokury, poln. Dymki. Möglich wäre anscheinend auch eine Herleitung aus slav. *Dǫbьna von dǫbъ »Eiche, Baum«, die den Vorzug hätte, mit einem besonders häufigen slavischen Namentypus zu operieren.
37. Δούνιτσα ON, Kr. Sudená (Stat. Ap., Lex.), dafür bei Nuch. Δουνίτσα. Vielleicht als »Melonenort« zu russ. dyńa »Zuckermelone«, bulg. dińa »Melone«, skr. dȉnja, wozu Berneker EW I 250, also: *Dynišče. Anders erklärt den griechischen Namen Hilferding I 294, der ihn vom Namen der Quitte (skr. gdȕnja, dȕnja, bulg. dúńa aus *kьduńa: gr. Κυδώνια μᾶλα) deutet. Diese Erklärung halte ich für weniger wahrscheinlich, weil in Achäa wohl Erhaltung der ersten Silbe von kъduni̯a anzunehmen wäre. Am ehesten doch wohl Δούνιτσα aus Dǫb(ь)nica wie S. 70.
38. Δράγανον ON, Kr. Dýme (Stat. Ap., Lex.). Dafür bei R. und Nuch. Δραγάνου; diese letztere Form auch bei Hilferding I 293. Der Name ist abgeleitet vom altslav. PN Draganъ, adj. *Draganjь. Vgl. dazu oben S. 78 und 31 ff.
39. Δρεστενά ON, Kr. Patras (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Zu deuten als »Schilfort« von altslav. *Trьstěnъ, skr. Trstènik (Vuk). Vgl. oben S. 115.
40. Δροβολοβόν ON, Kr. Aroania (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Erinnert sehr an Δραγαλεβός (wozu unten S. 153) und ist der Endung nach slavisch.
41. Ζαποῦχλα ON, Kr. Kalabryta (Lex., R.) und Berg = altgriech. Κρᾶθις (R.), davon abgeleitet Ζαπουχλέϊka ON, Kr. Patras (Lex.). Die Grundlage ist slav. ON *Zaruchla, der einen andern ON *Ruchla voraussetzt: »hinter der Ruchla gelegen«. Den letzteren Namen stelle ich zu bulg. rúchvam »falle,
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stürze um«, russ. rušitьśa »idem« usw. Vielleicht bezieht sich die Bezeichnung *Ruchla auf eine zerstörte Ortschaft. Zue geologischen Beschaffenheit der Gegend vgl. Philippson, Peloponnes 132.
42. Ζουμπάτα ON, Kr. Pharōn (Nuch.), fehlt Stat. Ap. und im Lex., wird aber erwähnt von Philippson, Peloponnes 264. Aus slav. zǫbatъ, Adj. zu zǫbъ »Zahn, Zacken«, bulg. zъb, zъbát, skr. zȗb, zùbat. Kann sich auf eine zackenförmige Anhöhe beziehen. Vgl. zkr. Zubač, Zubci, Zubeta, Zubovac, slovak. Zubák.
43. Κακοτάρι ON, Kr. Lampeia (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Aus einem slav. kokotarъ »Hühnerstall« : abg. kokotъ »Hahn«, skr. kȍkōt, sloven. kokȏt, wozu Berneker EW I 540 ff. Daneben auch skr. kȍkōš »Henne«, kokòšār m. Hühnerstall«. Vgl. in ON skr. Kokoti, poln. oft Kokoszki.
44. Καλάβρυτα ON im gleichnamigen Kreise (Nuch., Stat. Ap., Lex.). Den Namen deutet Hilferding I 294 aus slav. *kolovratъ, skr. kolovrat »Wasserwirbel«. Die lautlichen Verhältnisse stützen diese Deutung nicht. Man erwartet *Καλάβαρτα. Ich halte diese Erklärung nicht für möglich, obgleich in ON sloven. skr. Kolovrat begegnet. Hilferdings Nebenform *Kolovr̥tъ ist rein hypothetisch; selbst wenn sie zu belegen wäre, müßte daraus griech. *Καλάβερτ